Praxis-Check: KI-Avatare im Einsatz – Gewinner der KI-Avatar-Ausschreibung stellen sich vor
Die Gewinner der KI-Avatar-Ausschreibung präsentieren ihre Projekte und berichten aus der Praxis, wie KI-Avatare in ihren Einrichtungen eingesetzt werden.
Auf einen Blick
Zusammenfassung
Zwei Einrichtungen aus dem sozialen Bereich berichten, wie sie jeweils einen KI-Avatar entwickelt und eingesetzt haben. Die erste Einrichtung, ein ambulanter Pflegedienst, nutzt den Avatar für Recruiting und Öffentlichkeitsarbeit. Die zweite, eine diakonische Beratungsstelle, setzt ihn im Rahmen eines Präventionsprojekts zur Finanzbildung für Jugendliche ein. Beide Berichte zeigen, dass der Avatar vor allem als Türöffner für ein breiteres Nachdenken über KI-Einsatz gewirkt hat.
Kernaussagen
Der KI-Avatar war ursprünglich als einfach nutzbares Allzweck-Werkzeug gedacht, in der Praxis zeigte sich jedoch, dass Erstellung und Betrieb Zeit, Einarbeitung und laufende Kosten erfordern.
Als Figur für den Avatar des Pflegedienstes wurde eine historische Pionierin der modernen Krankenpflege gewählt, weil diese Figur im Pflegebereich sofort wiedererkannt wird und damit Identifikation schafft.
Der Avatar wurde bewusst mit einrichtungsspezifischen Outfits und realen Hintergründen gestaltet, um einen hohen Wiedererkennungswert zu erzielen.
Das Jugend-Finanzbildungsprojekt hat den Avatar als eines von mehreren KI-Werkzeugen eingesetzt, daneben wurden auch KI-generierte Songs, Podcasts und interaktive Lernmaterialien erprobt.
Die Zielgruppe Jugendliche wurde aktiv in die Entwicklung einbezogen, zum Beispiel durch Feedback zu Optik und Wirkung der Avatare.
Ein zentrales Praxisproblem der Beratungsstelle ist eine hohe Nachfrage, der das vorhandene Personal nicht gewachsen ist. KI-gestützte Vorqualifizierung durch Telefonagenten und Chatbots wurde als mögliche Entlastung identifiziert.
Beide Einrichtungen berichten, dass das KI-Avatar-Projekt weit mehr Denkanstöße gegeben hat, als ursprünglich erwartet.
Themen
KI-Avatar im ambulanten Pflegedienst
Ein ambulanter Pflegedienst mit rund 120 Mitarbeitenden hat im Rahmen eines Förderprogramms einen KI-Avatar entwickeln lassen. Als Figur wurde eine historisch bekannte Pflegepersönlichkeit gewählt, die im Berufsfeld sofort Wiedererkennungswert besitzt. Es entstanden drei Videos: eines zur Einrichtungsvorstellung, ein Recruiting-Video für Social Media und ein Onboarding-Video für neue Mitarbeitende. Ein wichtiger Lernpunkt war, dass die anfängliche Vorstellung, einen Avatar für unbegrenzte, kostenlose Videoproduktion zu besitzen, sich als unrealistisch herausstellte. Sowohl die technische Einarbeitung als auch laufende Plattformgebühren wurden unterschätzt. Gleichzeitig wurde der Avatar als Einstieg in ein breiteres KI-Engagement beschrieben, das inzwischen auch den Verwaltungsalltag verändert hat, etwa durch den Einsatz von KI-Assistenten für verschiedene Aufgabenbereiche.
Finanzbildungsprojekt für Jugendliche
Eine diakonische Beratungsstelle mit Schwerpunkt Schuldnerberatung hat ein Präventionsprojekt für junge Menschen zwischen 17 und 29 Jahren entwickelt. Ziel ist es, Jugendliche frühzeitig für den Umgang mit Geld zu sensibilisieren, bevor sie in die Schuldnerberatung müssen. Das Projekt arbeitet in vier Dimensionen: Schulen und Ausbildungszentren, offene Jugendarbeit und Vereine, kirchliche Einrichtungen sowie Jugendhilfeeinrichtungen. Ein Peer-Ansatz ist zentral: Auszubildende einer Partnerbank vermitteln Finanzwissen auf Augenhöhe an Gleichaltrige. Für die Kommunikation wurden neben dem KI-Avatar auch ein KI-generierter Song, ein automatisch erzeugter Podcast und digitale Lernmaterialien entwickelt. Die Avatare wurden bewusst so gestaltet, dass sie weder zu cool noch zu lehrerhaft wirken. Rückmeldungen von Jugendlichen flossen direkt in die Entwicklung ein. Dabei zeigte sich, dass ein laufendes Avatar-Video sofortige Aufmerksamkeit erzeugt, was als wertvolles pädagogisches Signal gewertet wurde.
Ausblick und weiterführende KI-Ideen
Beide Einrichtungen denken über den Avatar hinaus. Im Pflegedienst wird geprüft, wie die Plattform dauerhaft genutzt werden kann und wer intern die Kapazität hat, Videos eigenständig zu produzieren. Die Beratungsstelle plant, KI für die Entlastung des Sekretariats einzusetzen, das täglich viele Anfragen abweisen muss, weil die Beratungskapazität erschöpft ist. Konkret wird ein KI-gestützter Telefonagent diskutiert, der Anfragen vorqualifiziert, sowie ein Chatbot, der vor dem Beratungsgespräch Grunddaten erfasst. Beide Einrichtungen betonen, dass das Ausprobieren von KI Freude macht, Lösungsräume öffnet und den Blick dafür schärft, was in Zukunft möglich sein könnte.