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Vortrag
KI-Fachtag: Mensch – Maschine – Miteinander

Podiums-Interview: KI-Strategie und Praxiseinblicke

Dr. Robert Bachert (Moderation), Martin Allmendinger (OMM Solutions), Laurent Kettler & Christoph Nißle (Blockbrain), Maxim Lanz (AIdentical)30 Minuten

Podiums-Interview von Dr. Robert Bachert mit Vertretern von OMM Solutions, Blockbrain und AIdentical über KI-Strategien, Praxiserfahrungen und Zukunftsperspektiven.

Auf einen Blick

Zusammenfassung

Der KI-Fachtag "Mensch-Maschine-Miteinander" brachte Einrichtungen der Diakonie mit drei KI-Unternehmen zusammen, um konkrete Einsatzmöglichkeiten von Künstlicher Intelligenz in der Sozialwirtschaft zu erkunden. Ausgangspunkt war ein Avatar-Wettbewerb, der mehr bewirkte als erwartet: Er brachte Einrichtungen dazu, sich ernsthaft mit eigenen digitalen Prozessen auseinanderzusetzen. Im Zentrum stand die Frage, wie KI helfen kann, Verwaltungsaufwand zu reduzieren, ohne die menschliche Nähe zu ersetzen.

Kernaussagen

KI kann in sozialen Einrichtungen vor allem dort helfen, wo heute viel Zeit in Dokumentation, Verwaltung und Regulatorik verloren geht.

Kommunikation ist ein massiv unterschätztes Problem: Informationen sind oft vorhanden, gelangen aber nicht zu den richtigen Personen.

KI ersetzt keine menschliche Fachlichkeit, sie schafft den Raum, damit Menschen sich wieder mehr auf das Wesentliche konzentrieren können.

KI erweitert Kompetenzen, nicht nur Geschwindigkeit: Auch Menschen ohne technischen Hintergrund können mit KI Aufgaben übernehmen, die früher Spezialwissen erforderten.

Ein sofortiger Einstieg ist möglich, zum Beispiel durch automatische Gesprächsprotokolle, ohne große Systemeinführungen.

Führungskräfte in der Sozialwirtschaft werden mutiger, lassen mehr experimentieren und steuern stärker durch Orchestrierung statt durch Vorgabe.

Das größte Zeichen für gelungene KI-Integration ist, wenn Mitarbeitende sich nicht mehr vorstellen können, wie sie früher ohne diese Unterstützung gearbeitet haben.

Avatare in fotorealistischer Form sind nicht für jede Zielgruppe geeignet, besonders bei Menschen mit Behinderung kann das zu erheblicher Irritation und Verwirrung führen.

Themen

Entstehung und Konzept des Fachtags

Ausgangspunkt war ein Avatar-Wettbewerb, bei dem Einrichtungen einen fotorealistischen digitalen Zwilling gewinnen konnten. Die anfangs geringe Resonanz wich schließlich einem echten Prozess der Auseinandersetzung: 14 Einrichtungen bewarben sich und erarbeiteten dabei konzeptionelle Überlegungen zu eigenen Use Cases. Das führte zur Erkenntnis, dass Avatare nur ein Aspekt eines viel breiteren Themas sind. Der Fachtag wurde daraufhin so konzipiert, dass Teilnehmende nicht nur diskutieren, sondern gemeinsam mit den anwesenden Technologieunternehmen direkt in die Anwendung gehen können.

KI in der Pflege und Sozialwirtschaft

Ein zentrales Thema war der demografisch bedingte Fachkräftemangel, der in der Pflege in den kommenden Jahren besonders spürbar werden wird. KI kann hier an mehreren Stellen ansetzen: bei der Ansprache von Fachkräften aus dem Ausland durch mehrsprachige Inhalte, bei der Einarbeitung neuer Mitarbeitender sowie bei der Entlastung von Dokumentations- und Verwaltungsaufgaben. Ein konkreter und sofort umsetzbarer Ansatz ist die automatische Protokollierung von Gesprächen, um Wissen abrufbar zu halten und den eigenen Arbeitseinsatz besser nachzuvollziehen.

Grenzen und ethische Fragen

Die Frage, wo KI nicht eingesetzt werden sollte, kam deutlich zur Sprache. Fotorealistische Avatare können in manchen Kontexten, etwa für Menschen mit kognitiven Einschränkungen, tiefe Verwirrung auslösen, wenn sie reale Personen zu imitieren scheinen. Auch das Thema Einsamkeit und menschliche Nähe wurde diskutiert: Gerade dort, wo persönliche Zuwendung gefragt ist, stößt KI an klare Grenzen. Die Unternehmen betonten, dass das Verstehen dieser Grenzen aus dem konkreten Dialog mit den Einrichtungen entsteht und nicht im Voraus angenommen werden kann.

Lerneffekte und Handlungsempfehlungen

Die übereinstimmende Botschaft der anwesenden Technologieunternehmen lautete: anfangen statt analysieren. Wer sich in langen Konzeptprozessen verliert, verschenkt Zeit. Wichtig ist eine vertrauenswürdige technische Umgebung, die Datenschutz und ethische Anforderungen erfüllt, damit Experimente möglich werden. Die Diakonie wurde dabei als Organisation mit guten Voraussetzungen beschrieben, weil die Vielfalt der Einrichtungen und Tätigkeitsfelder viele Ansatzpunkte bietet. Neugier und die Bereitschaft, auch unbequeme Fragen zu stellen, wurden als entscheidende Haltungen benannt.

Folien

Folie 1Praesentation_KI-Digitalisierung_Strategie_Diakonie_Wue.pdf